Die schweigenden Gönner der arabischen Monarchen (Dez 2011)

Der Arabische Herbst hat inzwischen die Aufbruchsstimmung des Frühlings abgelöst. Und schon ist auch die anfängliche Begeisterung der westlichen Welt einem Gefühl der Beklommenheit gewichen.

Welches Land wird der Flächenbrand als Nächstes erfassen? Und wie kommt es, dass bisher noch keine arabische Monarchie gestürzt werden konnte, ja sogar von jeglicher Kritik weitgehend verschont blieb?

Enge Freundschaftsbande

Noch vor seinem Sturz im Jahr 1952 soll der ägyptische König Faruk prophezeit haben, dass es vor Beginn des 21.Jahrhunderts nur noch vier Könige geben werde – jene im Kartenspiel. Was sein eigenes Schicksal betraf, hatte der Monarch recht behalten. Doch die Throne in Marokko, Jordanien und Saudiarabien wackeln trotz vieler Proteste nach wie vor nicht.

Eine Revolution der Massen hat es in Marokko ebenso wenig gegeben wie freie Wahlen. Über ein Jahrzehnt lenkt König Mohammed VI. nun schon sein Land, seine Popularität hält sich aber besonders bei den unterdrückten Berbern in Grenzen.

Als marokkanische Soldaten im November 2010 ein Zeltlager in der von Marokko beanspruchten Westsahara mit Gewalt zerschlugen und dabei zwölf Sahrawis ums Leben kamen, waren die Reaktionen im Westen mehr als verhalten. Denn König Mohammed gilt als Freund der Amerikaner und der Europäer. Eine faktische Unabhängigkeit der Westsahara steht wohl auch deshalb nicht in Aussicht.

Königin Nur als Vorbild

Noch engere Kontakte pflegen die sonst so republikanisch gesinnten Vereinigten Staaten zu den Mitgliedern des Königshauses in Jordanien, wo Meinungsfreiheit stark unterdrückt wird. Wie Saudiarabien hat Jordanien Abkommen mit den Vereinigten Staaten unterzeichnet, die die Präsenz amerikanischer Truppen konzedieren. König Abdullah II., der eine Eliteausbildung in Großbritannien und den USA genoss, wird als aufgeschlossener Herrscher hochgeschätzt. Die letzte Gemahlin seines Vaters, Königin Nur, gilt für westliche Beobachter als Vorbild einer emanzipierten muslimischen Frau.

Sunnitischer Gottesstaat

Von Emanzipation hält die Saud-Dynastie hingegen wenig, Reformen erfolgen in Saudiarabien nur schleppend. Trotzdem wird der 87-jährige König Abdullah in den amerikanischen Denkfabriken immer wieder als „great reformer“ bezeichnet.

Scheinheilig ignorieren dieselben Kritiker des iranischen Ayatollah-Regimes den sunnitischen Gottesstaat Saudiarabien, in dem öffentliche Enthauptungen in der Verfassung verankert sind. Ein Aufbegehren unterdrückter Massen, wie es sich neulich an den Pforten Saudiarabiens, auf der Insel Bahrain, abgespielt hat, wird am Arabischen Golf im Keim erstickt.

Das Erdöl stimmt milde

Das schwarze Gold, das sich schon George Bush senior mittels Verträgen gesichert hat, hat den Westen in Hinblick auf den undemokratischen Golfstaat nachsichtig und milde gestimmt. Man vergönnt dem ölreichen Wüstenland keine Revolution. Schon gar nicht eine, die die engen ökonomischen und militärischen Beziehungen zwischen den Vereinigten Statten und Saudiarabien gefährden könnte.

Wichtiger noch als alle Sympathiewerte ist freilich der strategische Vorteil, den man sich auch in Zukunft von einer Allianz mit den arabischen Königshäusern erhofft. Und wer würde auf diese wohl im Tausch gegen Demokratie und Menschenrechte verzichten wollen?

(Die Presse, 09/12/2011)

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