Rohani stellt den Westen vor eine Mutprobe

Man nennt ihn den “lächelnden Mullah”, doch sein Lächeln ist bittersüß, um nicht zu sagen gnädig. Kein Machthaber überrascht die Welt – zumindest die westliche – gerade so sehr wie der iranische Präsident Hassan Rohani, der die Geschicke der islamischen Republik seit August 2013 lenkt.

Nicht nur beim Weltwirtschaftsforum in Davos ließ Rohani aufhorchen, indem er sein Land internationalen Unternehmen öffnen und dadurch “eine Interaktion mit der Welt ermöglichen” will. Nachdem Mitte Jänner einige internationale Sanktionen gegen den Iran gelockert wurden, macht der iranische Präsident nun auch dem historischen Feind USA ein Friedensangebot, was unter seinem Vorgänger Mahmoud Ahmadinejad noch undenkbar gewesen wäre.

Die Hindernisse sind jedoch groß. Und diesmal stellt sich nicht die Frage, ob der Iran dem Westen entgegenkommen wird, sondern vielmehr, ob der Westen unter dem Druck anderer Staaten überhaupt an einer freundschaftlichen Beziehung interessiert ist. Die Mehrheit im US-Kongress, die seit dem Geiseldrama 1979 dem Iran eher feindlich gesinnt ist, agiert laut Jessica Mathews, Präsidentin der Denkfabrik Carnegie Endowment for International Peace, auf Druck von Israel. Dies könnte einem freundschaftlichen Abkommen im Weg stehen.

Rohani beharrt weiterhin auf dem Recht des Iran auf zivile Kernenergienutzung, wie diese unter anderem in Deutschland, Japan und Brasilien durchgeführt wird – und das ohne internationale Bedenken, wie Mathews betont. Wie sein Vorgänger sieht Rohani im internationalen Widerstand gegen das iranische Atomprogramm nicht nur eine Verletzung der Souveränität, sondern auch eine Diskriminierung, für die die iranische Zivilbevölkerung durch Sanktionen auf mehreren Ebenen büßen muss.

So sehr Rohani also lächeln mag und so sehr man seine Handshakes mit westlichen Regierungsvertretern gutheißen will (Ahmadinejad hatte man ostentativ auf internationalen Konferenzen ignoriert), an seiner nationalen Einstellung wird das nichts ändern. Der Mann, der dem Führer der islamischen Revolution, Ayatollah Khomeini, als Sicherheitsberater treu zur Seite stand, wird kaum das Unrecht vergessen, das die USA seinem Land bescherten: von der militärischen Unterstützung Saddam Husseins im Krieg gegen den Iran in den 1980ern bis hin zur Kampfrhetorik von Präsident George W. Bush, der den Iran in die “Achse des Bösen” reihte.

Auf der anderen Seite hat sich seit Rohanis Machtübernahme recht wenig an der Voreingenommenheit des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu geändert, der Rohani als “Wolf im Schafspelz” bezeichnet. Und dann ist da noch die ungelöste Syrien-Frage. Viele westliche Regierungen und Israel scheuen sich nicht, den Iran für seine Unterstützung des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad zu verurteilen, während man das Engagement Saudi-Arabiens für die Unterstützung fanatisch-radikaler Rebellen wohlwollend duldet. Es wird sich also weisen, ob eine Freundschaft mit dem Iran dem Westen nicht eher im Weg sein wird als sie ihm nützt.

(Wiener Zeitung, 30/01/2014)

ENGLISH SYNOPSIS

Rohani challenges the West

They call him “the smiling mullah”, but his smile is bittersweet, one could even say mild. Probably no current ruler surprises the world – at least the western world – more than Hassan Rohani, Iran’s leader since August 2013. At the World Economic Forum in Davos, Switzerland, Rohani announced his plans to open his country to western enterprises right after the rigid sanctions on his nation had been alleviated. He even seems to be interested in improving relations with Iran’s arch-enemy, the United States. However, there are still significant hurdles standing in the way of this plan. Carnegie Endowment International President Jessica Mathews writes in a recent paper that the US Congress, acting on Israel’s pressure, opposes such a friendly relationship with Iran.
Rohani emphasizes his nation’s right to use nuclear energy for peaceful purposes as other countries like Germany, Brazil or Japan are already doing, without any international backlash or their civil societies being punished with hardcore sanctions on all levels. So Rohani may keep smiling, but it won’t change his national priorities and the fact that he already served as Ayatollah Khomeini’s security advisor during the Islamic Revolution. He also won’t forget the injustice done to his nation by the US when they supported Saddan Hussein against the Iran in the 1980s and when George W. Bush included Iran in the so-called “axis of evil”. Another obstacle to a friendship is Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu’s opposition, when he titles Rohani “a wolf in a sheep’s skin”. Furthermore, the west keeps reprimanding Iran for supporting Syrian president Bashar al-Assad while they keep applauding to Saudi-backed fundamentalist rebels, who pose a much greater threat to the world.

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About stephanhaderer

A traveler for life, anthropologist, philanthropist, hobby journalist, political analyst, writer, screenwriter, on the pursuit of knowledge, wisdom & harmony.
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