Japan kommt den USA entgegen

Die brutale Hinrichtung des japanischen Journalisten Kenji Goto durch IS-Kämpfer am 30. Jänner hat hohe Wellen im fernöstlichen Inselreich geschlagen und die Regierung des japanischen Premierministers Shinzo Abe in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Im Kampf gegen die IS-Milizen hat der Westen in Japan nun einen neuen Verbündeten gewonnen, während gleichzeitig das bisweilen etwas abgekühlte Verhältnis zwischen Washington und Tokio enger geworden ist. Wird Japan künftig also seiner pazifistischen Haltung abschwören und sich in eine vehementere, proaktive Nahost-Politik unter Führung der USA einbinden?

Den unmittelbaren Nachbarstaaten in der Region – China, Nordkorea und Südkorea – ist der im Jahr 2012 wiedergewählte Premier Abe schon lange ein Dorn im Auge. Und das nicht nur wegen der starken Sympathien Japans für die USA. Sein Nationalismus und seine Unnachgiebigkeit, was die Gräueltaten japanischer Soldaten in den eroberten Nachbarländern zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrifft, kennen keine Grenzen. Offen zur Schau stellt Abe seinen Patriotismus etwa bei häufigen Besuchen am Yasukuni-Schrein, dem umstrittenen Heldendenkmal der japanischen Nation. Der idyllische Hain im pulsierenden Herzen Tokios, wo selbst den gefallenen Pferden ein Mahnmal gesetzt wurde, erinnert viele Japaner an die Opfer vergangener Kriege, für Koreaner und Chinesen ist ein Staatsbesuch dort jedoch die reinste Provokation. Dies scheint westliche Regierungen, die sonst nicht davor zurückschrecken, ihnen unangenehme Staaten an einstige Schandtaten und menschenrechtliche Verletzungen zu erinnern, wenig zu stören.

Im Angesicht der sowjetrussischen Bedrohung 1945 hatte Japan kapituliert. Die Allmacht des Tenno Hirohito, des gottgleichen Herrschers auf dem Chrysanthementhron, war gebrochen, denn ihm wurde jede militärische Befugnis entzogen. Eine neue Verfassung wurde unter dem US-Kommandanten General Douglas MacArthur für Japan ausgearbeitet, die für die Nation eine defensive außenpolitische Haltung vorsah – diese steht allerdings derzeit auf dem Prüfstand. Abes konservative Regierung macht kein Hehl daraus, dass sie sich vom verfassungsrechtlich festgelegten Pazifismus verabschieden will, der lediglich ein militärisches Einschreiten bei einer Verletzung der territorialen Einheit des Inselstaates ermöglicht.

Ein proaktiveres Vorgehen Japans kommt den USA momentan durchaus entgegen. Schon im April 2014 habe Abes Regierung ein strenges Waffenexportgesetz, das ein halbes Jahrhundert gegolten hatte, abgeändert, berichtete die “Asia Times”. Im internationalen Krieg gegen den Terror können die USA aber nur bedingt auf die Unterstützung des Inselstaates zählen, denn Japan benötigt seine Streitkräfte wohl eher für die Sicherung der eigenen Grenzen. Regionale Konflikte über Besitzansprüche auf verschiedene Inseln im Japanischen und Ostchinesischen Meer könnten nämlich ohne weiteres rasch eskalieren.

(Wiener Zeitung, 09/02/2015)

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/733845_Japan-kommt-den-USA-entgegen.html

ENGLISH SYNOPSIS

Japan shows support to the United States

The brutal assassination of Kenji Goto by IS militia on January 30, 2015, has made Japan an official international ally in its global “war on terrorism”. The seemingly cooled relationship between Washington and Tokyo has become closer again and one may wonder if Japan will give up on its pacifist foreign political stance. Japan’s neighbors – China, North and South Korea – have never shown any sympathies for Japan’s nationalist Prime Minister Shinzo Abe, who openly provokes these nations with visits to Japan’s heroic monument, the Yasukuni Shrine in the heart of Tokyo. The shrine even commemorates the fallen horses of Japanese armies who colonized the neighboring countries in the beginning of the 20th century. Western governments, who do not hesitate to point their fingers at nations they dislike, have been turning a blind eye on this sensitive issue. The US-drafted constitution of Japan – the result of Japan’s capitulation in 1945 and General Douglas MacArthur’s interim government of the island-state – is now being questioned by Japanese Prime Minister Abe, who seeks to strengthen his country’s military role. Japanese military support is certainly welcomed by the United States, however, we should not forget that the country will further depend on its army to secure her borders as conflicts in the Eastern Chinese and Japanese Sea might easily escalate.

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About stephanhaderer

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