Kluge geopolitische Einsichten – so aktuell wie schon vor 10 Jahren

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Hirtenhund bewacht Lehmhaus in Afghanistan

Wie zeitgemäß ist Geopolitik im Zeitalter der Globalisierung? Und welche Gültigkeit haben Aussagen und Prognosen, die Experten vor fast 10 Jahren getroffen haben? Aus aktuellem Anlass zu den neuesten verhängnisvollen Entwicklungen in Europa, in Syrien und weltweit gebe ich an dieser Stelle einen Auszug aus Peter Scholl-Latours Zwischen den Fronten – Erlebte Weltgeschichte (2007) wieder, einem Buch, das ich allen Leserinnen und Leser ans Herz lege, weil der Autor mit seinen akuraten Analysen den Nagel auf dem Kopf trifft.

“… Aber wie stehe es mit Europa? Es verfügt über ein unzureichendes Verteidigungspotential. Eine supranationale Koordinierung sei nicht in Sicht. Vor allem aber befinde sich Europa in unmittelbarer Nachbarschaft zu allen nur denkbaren Krisenherden des Nahen und Mittleren Ostens sowie Nordafrikas. Wenn man schon von den globalen Gefahren des radikalen Islamismus spreche, denen das säkulare Baath-Regime Saddam Husseins ja ebenfalls ausgesetzt war, so sollte man sich bewußt sein, daß auf dem Balkan zwei muslimische Völker – Albaner und Bosniaken – beheimatet sind, vor allem aber, daß Millionen Korangläubige sich in den großen Industriestaaten des alten Kontinents niedergelassen haben, ein Potential ethnisch-religiöser Zersetzung, ja des mörderischen Terrorismus, das über kurz oder lang aktiviert werden könne.

(…) Mit der Illusion, Deutschland genieße eine Sonderstellung, bleibe dank tief verwurzelter Sympathien vor der Tollwut der Extremisten verschont, ist es jetzt endgültig aus. (…)

Was soll man zudem von einem Bundestag halten, der eine Aufstockung der deutschen Afghanistan-Präsenz beschloß und die Unterstellung von ISAF unter NATO-Kommando ohne ernsthafte Debatte verabschiedete, sich jedoch in moralischen Vorwürfen gegen die eigenen Soldaten erging? (…)

Dem Terrorismus, der unweigerlich und unvermeidbar auf uns zukommt, begegnet man am besten mit kalter Entschlossenheit und – soweit es geht – mit Gelassenheit. Beunruhigend ist hingegen der Mangel an Kompetenz, der medienbezogene Konformismus, die bündnisfixierte “political correctness”, die die parlamentarische Debatte in Berlin so realitätsfern erscheinen läßt.”

(Peter Scholl-Latour, Zwischen den Fronten – Erlebte Weltgeschichte, 2007)

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About stephanhaderer

A traveler for life, anthropologist, philanthropist, hobby journalist, political analyst, writer, screenwriter, on the pursuit of knowledge, wisdom & harmony.
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